April 20, 2009 | In: Kritisches, Religion

Zitate aus dem: PFAFFENSPIEGEL von Otto von Corvin

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Zitate aus dem 

PFAFFENSPIEGEL von Otto von Corvin
 

Der Pfaffenspiegel erschien erstmals 1845. Für die damalige Zeit eine ‘Ungeheuerlichkeit’, sah man doch noch quasi die Scheiterhaufen rauchen. Dieses Buch hat die damalige obrigkeitliche Zensur durchlaufen, doch mußten alle beanstandeten Stellen – weil vom Autor belegt- genehmigt werden. Manche Formulierung mag uns heute seltsam vorkommen, doch Mitte des vorigen Jahrhunderts schrieb und dachte man wohl so.

 
 
"… Dieser Feind (der Religion) ist die Vernunft, das Denken und die daraus folgende Erkenntnis der Wissenschaft.
(..)
Je mehr sich in den Menschen die Vernunft entwickelte und sie anfing zu beobachten und zu denken, das heißt aus Erfahrung Schlüsse zu ziehen, desto haufiger entdeckte sie, daß manche von den Priestern als positive Wahrheiten ausgegebenen Dinge gerade das Gegenteil waren, was natürlich Mißtrauen gegen andere Behauptungen erzeugte, auf denen die Priestergewalt hauptsächlich gestützt war. Jeder Schritt, den die Wissenschaft vorwärts tat, trat irgendeiner Priesterlüge auf den Kopf.


Es war daher eine Lebensfrage für das Ansehen der Priester oder was sie mit sich selbst zu identifizieren verstanden, der Religion, die Entwicklung der Vernunft nach Kräften zu hemmen und die Verbreitung der unvertilgbaren Resultate der Wissenschaft zu verhindern, was zunächst durch die despotische Macht geschehen konnte."
 
 Ich erinnere hier nur an Kopernikus und Galilei 
 
"Das Verfahren der Priester, um diesen selbstsüchtigen Zweck (der Machterhaltung) zu erreichen, war ebenso praktisch als für die Menschheit und deren geistige Entwicklung verderblich; der menschliche Geist mußte der Aufklärung möglichst unzugänglich und schon von Kindheit an in eine Form gezwängt werden, welche ihn nötigte, sich in der gewünschten Weise zu entwickeln. Zu diesem Ende bemächtigten sie sich der Erziehung der Jugend.
 
Das genügte indessen ihrer Vorsicht noch nicht. Dieses Lehrerverhältnis mußte für das ganze Leben beibehalten und die Herrschaft der Priester über die Seele der Menschen in solcher Weise ausgedehnt werden, daß diese von der Wiege bis zum Tod keinen Gedanken denken konnten, von dem die Priester nicht Kenntnis erhielten.
 
Das Mittel, dies vollkommen zu erreichen, war, in den Menschen die Furcht zu pflanzen vor entsetzlichen Gefahren (die einzig in dem Gehirn der Priester ihren Ursprung fanden) und gegen welche allein die Priester die Mittel zu vergeben hatten.
Der Glaube war der Hauptpfeiler des ganzen von den Priestern erbauten Religionsgebäudes, und da mit seiner Zerstörung dasselbe durchaus fallen mußte, so war es die Hauptsorge aller Priester, diesen Glauben als das Heiligste und Unantastbarste hinzustellen und schon den bloßen Zweifel, welcher der Vernunft den Weg bahnte, als ein Verbrechen darzustellen, welches die Götter als das schrecklichste von allen bestraften."
(…)

  
 

Wie sehr die Hirten darauf bedacht waren, ihren Schafen und Eseln einzutrichtern, daß Sie gefälligst an den Glauben zu glauben haben können wir  imHexenhammer‘ nachlesen, erschienen 1487, u.a von einem Dominikaner geschrieben, eines der einflußreichsten Bücher bei der Verfolgung von Ketzern und Hexen (quasi ein Handbuch zur Endlösung von Hexen und Ketzern) schreibt, "daß die schlimmste Ketzerei die sei, nicht an Hexen zu glauben".  
 
 
 

doch weiter mit dem Pfaffenspiegel: 
"Was wir von unseren Regierungen verlangen, ist, daß sie als solche von der Religion keine Notiz nehmen und sie nicht, wie es jetzt (1845!) fast noch überall der Fall ist, den Aberglauben aussäen und sein Wachstum befördern zu können glauben. Wer das Bedürfnis zur Religion fühlt, mag dieselbe ausüben und sich mit anderen zu diesem Zweck vereinigen; das Gesetz wird ihn in dieser Ausübung beschützen und sich erst dann hindernd einmischen, wenn durch diese Ausübung die gesetzlichen Rechte anderer beeinträchtigt werden. Ist die Religion durch sich selbst stark, so braucht sie keine Unterstützung und Begünstigung von seiten der Regierung; hat sie aber Grund, die Wissenschaft zu fürchten, so beruht sie auf Aberglauben, und je eher sie dem Feind desselben unterliegt, desto besser ist es für die Menschheit."
 
 
Meine Ostpreußen-Oma sagte: ‘Die Tröge bleiben gleich, nur die Schweine wechseln’. Wer reimen kann, mache sich seine eigenen Verse.

 


Unter dem Titel:
Der Pfaffenspiegel – Historische Denkmale des christlichen Fanatismus, finden Sie bei Wikipedia weitere Informationen.

Und hier können Sie den gesamten Pfaffenspiegel online lesen

 

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