September 1, 2009 | In: Hans Blazejewski, Kritisches, Religion

Religion und Angst Teil 3

Angst3 

 

 

 

 

In Gottes Namen
 

Lesen Sie hier die Fortsetzung von Religion und Angst – Teil 1 und Teil 2

Heile, heile Gänschen hieß mal vor Jahren ein Faschingsschlager. Will sagen es wird schon alles wieder gut werden und Mutter kommt gleich, pustet und weg ist das Böse … 
Ich glaube nicht, daß die Eiferer und Lordsiegelbewahrer der reinen christlichen Lehre der vergangenen Jahrhunderte, in diesem Sinne gepustet hatten.  Wenn sie pusteten, dann um das Feuer der Scheiterhaufen anzuzünden.

Im Namen des Herrn. Amen.
So beginnt das Urteil über Jeanne d’Arc, die dort eine Abtrünnige, Götzendienerin und Teufelsbeschwörerin geheißen wird. Aus der Anklageschrift : 

…damit durch Euch als Richter Johanna, gemeinhin die Jungfrau genannt, schuldig erklärt werde als Hexe und Zauberin, Wahrsagerin und falsche Prophetin, die böse Geister beschwört und mit ihnen im Bunde ist, als abergläubisch, die Schwarze Kunst betreibend, in Sachen unseres katholischen Glaubens falsch denkend, schismatisch, am Artikel "Unam Sanctam" zweifelnd, als Lästerin Gottes und seiner Heiligen, ärgerniserregend, aufsässig, den Frieden störend und ihn verhindernd, als Kriegshetzerin, die grausam nach Menschenblut dürstet und zu seinem Vergießen anspornt, die Ehrbarkeit und Schicklichkeit ihres Geschlechts verletzend und unehrerbietig und unpassend Kleid und Beruf der Krieger annehmend, weswegen sie vor Gott und den Menschen verabscheuungswürdig ist, als Verächterin göttlicher und natürlicher Ordnung, wie der kirchlichen Disziplin, als Verführerin von Volk und Fürsten zur Schmähung Gottes, die es zuläßt, daß man sie verehrt und anbetet und ihre Hände und Gewänder zum Kusse darbietet, die sich göttlichen Kult anmaßt, als ketzerisch, oder wenigstens der Ketzereien äußerst verdächtig – weswegen sie rechtsgültig bestraft und gebessert werden soll.

Es folgen dann 70 Anklagepunkte.
Einer der spektakulärsten Urteile der sog. heiligen Inquisition folgt, nachdem sie widerruft und den Widerruf zurücknimmt. Der weltlichen Macht übergeben, endete sie, wie wir aus den Geschichtsbüchern wissen, auf dem Scheiterhaufen. Witz der Geschichte: Im 15. Jahrhundert wird sie von den Stellvertretern des Stellvertreter Gottes auf bestialische Weise umgebracht, einige Jahrhunderte später von einem anderen Stellvertreter heilig gesprochen. 
Ob Augustinus im 4. Jahrhundert, heilig nennt ihn die Kirche,  verkündet,

daß es keine Sünde sei einen Menschen von Amts wegen zu töten, und die keine Mörder seien, die mit Eifer gegen die Exkommunizierten der Mutter Kirche kämpfen, 

oder Martin Luther, dieser unselige Gehilfe der arg bedrängten weltlichen Macht, dieser aus kirchenpolitischen Erwägungen behilflich ist bei der Niederschlagung der wohl ersten Revolution auf deutschem Boden, welche  in die Geschichtsbücher eingegangen ist als ‘die Bauernaufstände’, immer geht es um die Wahrung, Festigung und Ausdehnung kirchlicher Interessen. Und alles im Namen der Nächstenliebe versteht sich. 

Noch 1963 schrieb der Dominikaner Theologe Dr. phil Gilbert Cormann: Katholische Soziallehre in Menschenwürdige Gesellschaft 

Die katholische Lehre hat, von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer übereinstimmend vertreten, als Sühne für schwerste Verbrechen sei die Todesstrafe berechtigt, nur der Staat habe das Recht, sie zu verhängen und vollstrecken zu lassen

Kommen wir zu Martin Luther, diesem Totengräber der Bundschuh-Bewegung.
Hier Original-Luther, 1525 in seiner Schrift ‘"Wider die Mordischen und Reuberischen Rotten der Bawren", als Erwiderung auf  die Forderungen der Aufständischen nach gerechteren wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen:  

Dreierlei greuliche Sunden wider Gott und Menschen laden diese Baurn auf sich, daran sie den Tod verdient haben an Leib und Seele mannigfältiglich: Zum ersten, daß sie ihrer Obrigkeit treu und huld geschworen, untertänig und gehorsam zu sein, wie solchs Gott gebeut (..) Weil sie aber diesen Gehorsam brechen mutwillig und mit Frevel und dazu sich wider ihren Herrn setzen, haben sie damit verwirkt Leib und Seele, als die treulose, meineidige, lugenhaftigen, ungehorsamen Buben und Bosewicht pflegen zu tun (..)Auch ein aufruhrischer Mensch, den man des bezeugen kann, schon in Gotts und kaiserlicher Acht ist, daß, wer am ersten kann und mag, denselben erwurgen recht wohl tut (..).Drum soll hie schmeißen [erschlagen], wurgen und stechen, heimlich oder offentlich, wer da kann, und gedenken, daß nicht Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann denn ein aufruhrischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muß.(..) Es hilft auch den Bauern nicht, daß sie furgeben, 1. Mos. 1 und 2, seien alle Dinge frei und gemein geschaffen, und daß wir alle gleich getauft sind….

Hauen würgen und stechen ein gottgefälliges Werk zur Ausrottung der Abweichler, zur Drohung den Schwankenden und zur Verängstigung der Massen durch die Handlanger Gottes. Nebenbei traf es sich gut, daß der Herr offenbaren ließ: ‘Die Erträge der Gottlosen werden die Frommen essen’. Dick und Fett sind sie geworden, an Leib und Gut, die Herrn in den prächtigen Talaren. 

Es ist nicht so, daß die Kirchenfürsten unserer Zeit über ihre Erblast jubeln, denn dies wäre weder Opportun und davon verstehen sie was, noch haben sie, Gott sei’s gelobt, die Macht dazu. Obwohl, zutrauen trau ich’s ihnen allemal, daß sie gerne würden…
Doch hören Sie, was Dr. Hans Rost sagt in Die kath Kirche. Die Führerin der Menschheit  

…daß die Führung der Geschicke der Menschheit durch die katholische Kirche überaus gnadenvoll gewesen ist, daß sie insbesondere der Kultur unendlichen Segen gebracht hat. Die vielen Menschlichkeiten, ja Scheußlichkeiten, die uns auch im Erdengang der katholischen Kirche begegnen, sind kein Beweis gegen ihren Führungsauftrag durch Christus: vielmehr sind sie die Veranschaulichung seines Gleichnisses vom Acker, in den auch der Satan seinen Unkrautsamen hineingesät hat und der dennoch die gute Frucht hundert- und tausendfältig bringt.

Mit Kepler, Giordano Bruno und Descartes begann der Einfluß zu schwinden, bzw. wurde er subtiler (Mutter Teresa) gehandhabt. Rettung der Seelen der armen Heiden ist weiterhin oberstes Gebot. Wenn es sein muß sogar durch Kinderraub und gewaltsame Erziehung, schreibt J. Burckhardt 1905: Weltgeschichtliche Betrachtung und weiter: 

Das Christentum aber verlangt seit dem 4. Jahrhundert, Seele und Gewissen des Einzelnen für sich allein zu besitzen und nimmt den weltlichen Arm in Anspruch,(..) gegen Heiden und ganz besonders gegen christliche Ketzer (..)Dieselbe Religion, deren Sieg und Triumph des Gewissens über die Gewalt war, operiert nun auf die Gewissen mit Feuer und Schwert los. (..) Jetzt mit ihrer unendlichen Bekümmernis für die Seele des einzelnen, läßt die Kirche demselben nur die Wahl zwischen ihrem Dogma und dem Scheiterhaufen.

Ende dieser kleinen Abhandlung über Religion und Angst, entnommen einem längeren Artikel des Autors zum gleichen Thema.

 

Zu Pfarrer Haack: 
http://www.theologe.de/theologe12.htm#Strategie
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Haack
http://ww3.steinadler-schwefelgeruch.de/buch/kapitel-3-8.html

Eine Literaturauswahl zum Thema:
Burckhardt, J.: Weltgeschichtliche Betrachtungen
Delumeau, Jean: Angst im Abendland
Der Heidelberger Katechismus. Ausgelegt von G. Meili
Drewermann, E. in : Worte des Heils, Worte der Heilung Bd. II
Duhm, D.: Angst im Kapitalismus
Fürntratt, E.: Angst und instrumentelle Agression
Haack, F.W.: Satan-Teufe-Luzifer. Was ist davon zu halten
Hegel: Phänomologie des Geistes
Jung, C.G: Zur Phänomologie des Geistes im Märchen
Krishnamurti., J.: Ideal und Wirklichkeit
Ledergerber, K.: Keine Angst vor der Angst
Mieth. I.: Katechese in der Küche. Kinderfragen verlangen Antwort
Neil, A.S.: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung
OSHO: Hammer on the rocks
OSHO: Sprengt den Fels der Unbewußtheit
Rost, H.: Die katholische Kirche. Die Führerin der Menscheit (erschienen mit kirchlicher Durckerlaubnis)
Sperber, Manes: Individuum und Gemeinschaft – Versuch einer sozialen Charakterlogie
Stiegnitz, Peter: Frei von Angst

 

 

Comment Form

  • Subscribe to RSS Feed
  • Engel-Onlineshop on Facebook