August 27, 2009 | In: Hans Blazejewski, Kritisches, Religion

Religion und Angst -Teil 1

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Religion und Angst 

‘Lieber Gott mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm’.
Ein Gebet aus meinen Kindertagen, dem lieben Gott vorgetragen, wohl mit unschuldigem Pathos, und nicht begreifend was ich da eigentlich sagte. Heute glaub ich es zu wissen: "Schau her, übernimm du die Verantwortung für mich, der ich unfromm und damit schuldig bin. Mach mich bitteschön vollkommen und laß mich bei dir spielen".
Früh wird gekrümmt, was ein Häkchen werden soll, in Abwandlung des sog. Volksmundes. Wie wahr, wie wahr.

Ein anderes Gebet war dies:
‘Ich bin klein, mein Herz ist rein. Soll niemand drin wohnen als Jesu allein.’
Was, wenn mein Herz gar nicht ‘rein’ war? Was, wenn ich einen ganz anderen riesengroßen Wunsch hatte? Wie z.B. Papi soll ganz schnell aus dem Krieg zurückkommen? Schuldig, schuldig, schuldig, klopf das kleine Herz.
Wird er mich jetzt bestrafen, der Gott? Wo er doch alles sieht, auch das was ich unter der Bettdecke mache?
Und dann die Angst, war doch die Mutter ganz ärgerlich, weil ich wieder ‘kein großes Geschäft’ in’s Töpfchen gemacht hab. Wird er, der liebe Gott mich auch noch liebhaben? Erst neulich hab ich wieder in die Hose gemacht und Mutter hat gesagt: ‘Das war aber gar nicht lieb’. Und geguckt hat sie dabei, als wollte sie sagen: ‘Kind warum hast du mir das angetan, hättest du nicht besser aufpassen können?’ Ach ich armer Sünder, versunken in ‘meiner Welt’ hatte ich wohl den Dressurakt vergessen, hatte vergessen ‘was sich gehört’, wie neulich schon mal, als ich den Tanten nicht guten Tag sagen wollte’. ‘Schämen muß man sich ja für den Bengel’, hat sie dann zu Hause zur Oma gesagt, und ‘ er macht mir immer soviel arbeit’ und Opa hat dann noch gebrummelt: ‘Was wird wohl der liebe Gott dazu sagen?’

Ich gebe hier den Dialog (die Zwischenbemerkungen habe ich fortgelassen) zwischen einer Mutter, die versucht ihr Kind im religiösen Glauben zu erziehen und ihrem ca. 6 jährigen Kind, das von ‘Berufstheologen’ indoktriniert wird, fast ungekürzt zum besten. Entnommen:

I. Mieth: Katechese in der Küche. Kinderfragen verlangen nach Antwort 

  • Corina: Nichts geschieht, ohne daß Gott es will
  • Mutter: Und wenn du krank wirst?
  • Corina: Ja, der denkt dann: soll sie doch sehen, was passiert, wenn sie nicht vernünftig ist.
  • Mutter: Und wenn ein Kind Kinderlähmung bekommt? Dafür kann es doch nichts. Glaubst du das Gott das auch will?
  • Corina: Ja. Dann will Gott die Eltern strafen. Sie hätten es ja impfen lassen können.
  • Mutter: Es werden aber auch Kinder auf der Straße überfahren. Ihre Eltern haben ihnen genau erklärt, daß man nur an einer Ampel bei grün oder auf einem Zebrastreifen die Straße überqueren darf. Sie haben das auch immer richtig gemacht und trotzdem wurden sie eines Tages überfahren. annst du dir vorstellen, daß Gott das will?
  • Corina: Vielleicht will er dem Autofahrer zeigen, was passiert, wenn er zu schnell fährt.
  • Mutter: Aber den Autofahrern passiert in solchen Fällen oft gar nichts. Findest du das gerecht?
  • Corina: Vielleicht will er mit dem kranken Kind anderen Autofahrern zeigen, daß sie aufpassen müssen.
  • Mutter: Habt ihr das an der Schule (im Religionsunterricht) gelernt?
  • Corina: Ja. Nichts geschieht, ohne daß Gott es will. 

 

Zitat aus dem Heidelberger Katechismus, ausgelegt von G. Meili:

Kinder sind eine Gabe des Herrn. Unsere Kinder sind Gottes Kinder! Gott erhält durch sie seine Christenheit. Die Eltern sind Gesellen Gottes, durch die er die Bürger für das Himmelreich erziehen lassen will!  

 

Und ein Zitat aus dem Buch Sprengt den Fels der Unbewußtheit (OSHO)

Ja, vor 10 Jahren war ich ein Pastor, und mein Geschäft bestand darin, andere und mich fühlen zu machen, daß wir Sünder sind und dann bot ich ihnen das Heil an’ 

Das ist der simple aber in Zusammenspiel mit den sog. gesellschaftlichen Kräften gut funktionierend Trick: Angst machen, Schuldgefühle hervorrufen und das Heil bzw. die ewige Verdammnis verkünden. Dazu paßt eine der zentralen Lehraussagen der christlichen Kirchen nach der jeder Mensch in Vergangenheit und Zukunft ein Sünder sei.

Natürlich! und eins zwei drei kommen sie gerannt und verkaufen dir Ablaßbriefe, wollen dich erlösen und versprechen dir eine gepolsterte Kniebank im Paradies. 
Erst hängen sie dem neugeborenen Menschen die Erbsünde an, dann besorgen sie das Geschäft der Taufe (Hokuspokus ist er sündenfrei) um ihn anschließend zu neurotisieren mit Geboten und Verboten, die er strikt zu befolgen hat, soll ihn nicht der Teufel holen. Und damit’s recht funktioniert scheuen sie sich nicht Schindluder mit der Elternliebe zu treiben, indem ihnen vermittelt wird, daß das Neugeborene in die Hölle kommt, so es stirbt und nicht getauft sei. 
  

 Frage 8 aus dem schon erwähnten Heidelberger Katechismus

Sind wir so sehr verderbt, daß wir ganz und gar untüchtig sind zum Guten und geneigt zu allem Bösen?
Antwort: Ja, wenn wir nicht durch Gottes Geist wiedergeboren werden. Wir dürfen es getrost zugeben (..) wie schlimm wir von Natur aus sind und handeln…

Was sie hier lesen stammt aus einer Auflage von 1988 und nicht etwa aus dem 16. Jahrhundert.

"(..) sündigst du schon wieder? In die Hölle wirst du kommen! Und plötzlich schrumpfst du, sinkst in dich zurück, und Angst überwältigt dich – und die Liebe verschwindet."
(OSHO: Sprengt den Fels der Unbewußtheit)

 

Oh, dreimal Schande! über die Totengräber der Liebe, über die, die von Liebe reden aber Herrschaftsanspruch meinen und uns mit ihrem Meinungsterror das Böse solange um die Ohren hauen bis wir geneigt sind zu glauben, daß wir von Grund auf schlecht sind. Nicht Liebe, sondern ‘du sollst lieb sein’ ist das Credo unserer biblischen Religion und der sie tragenden gesellschaftlichen Kräfte.

Mit einem glücklichen, zufriedenen Menschen ist keine Religion zu machen. Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können, das Stück ‘vom Sündenfall’. Ein in sich ruhender, glücklicher Mensch verspürt kein Bedürfnis, Gott zu suchen. Und wer Gott nicht sucht, braucht auch keine Konfession. 

Peter Stiegnitz formuliert in seinem Buch Frei von Angst 

Am konfessionellen Anfang war die Angst. Weil der Mensch seine eigenen Schwächen und seine Unvollkommenheit sieht, anderseits nach Einheit und Harmonie strebt, lebt er in Dauer-Angst. Das beste kirchliche Mittel gegen die Angst ist die ZUKUNFT…

Wobei wir hier die Zukunft wohl mit Recht im Jenseits orten können. Die Guten in den Himmel, die Bösen in die Hölle.

….Und weil Angst das probateste Mittel der Macht ist, operierte auch die katholische Kirche Jahrhundertelang erfolgreich damit. (Frei zitiert nach Stiegnitz ) Eine fein ausgedachte Perfidie: Erst legen sie das Gift, dann rufen Sie: ‘Wir haben das Gegenrezept’.
 

wird fortgesetzt 

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