August 10, 2009 | In: Kritisches, Religion
mutter-teresa-engel-der-armen. Eine Erwiderung
mutter-teresa-engel-der-armen. Eine Erwiderung
Beim Blog Shambala konnte ich eine Eloge auf Mutter Teresa, dem angeblichen Engel der Armen lesen, die ich nicht unwidersprochen lassen möchte. Auf einen kritischem Kommentar meinerseits antwortete Barbara: Zitat:
- …. Mir scheint, dass Du einfach alle Christen, insbesondere Katholiken in einen Topf wirfst. Und selbst diejenigen, die ganz konform mit dem Papst gehen: sie sind weder besser noch schlechter wie Du. Schau Du nur auf Dich selbst, dass Du das lebst, was Du predigst und andere Menschen mit Liebe begegnest!
Was hat Dich so verletzt, dass Du nun meinst diese Verletzung heilen zu können, indem Du andere verletzt, herabsetzt?
Ich bitte um Vergebung, wenn ich mich nicht – auch nicht vor Euch, liebe Leser – auf die Kautsch lege um mich analysieren, sezieren oder therapieren zu lassen. Nun könnte ich dieses Esospielchen mit einer Gegenfrage an Barbara in die nächste Runde einleuten, etwa so: Was hat Dich so blind gemacht, daß Du nicht richtig lesen kannst? Dann antwortet sie vielleicht: Warum hast Du dir damals den Fuß gebrochen, wovor wolltest Du weglaufen? Dann sage ich, wenn einer Tinitus hat, dann zeigt das nur, daß er nicht hören will.
Ich denke, ich zitiere lieber einige Fundstellen, die Jedermann und Jedefrau im Web nachlesen kann.
- Am 30. September 1919 schriebt Benedikt XV.:
Mit Nachdruck empfehlen wir allen Gläubigen das ›Werk der Hl. Kindheit‹, dessen Ziel es ist, nichtchristliche Kinder zu taufen.“
- In seinem Buch „Sie nennen mich Speckpater“ berichtete Pater Werenfried sehr betroffen von seinen Erlebnissen in Kalkutta. Der Prämonstratenser prangerte darin die Unmenschlichkeit an, die er in Indien erlebt hatte. Zugleich drückte er seine Bewunderung für die Arbeit von Mutter Teresa und der von ihr gegründeten Ordensgemeinschaft „Missionarinnen der Nächstenliebe“ aus. Bei seiner ersten Begegnung mit Mutter Teresa in Kalkutta nutzte Pater Werenfried die Gelegenheit, ein sterbendes Kind zu taufen: „Niemand hat es gemerkt. Ich gab ihm den Namen Werenfried. Zehn Minuten später war der kleine Werenfried tot.“
- Fernab jeglicher Theorie sah Mutter Teresa von Kalkutta die Taufe als einzigartige Form der persönlichen Begegnung mit dem lebendigen Gott – und gerade die vielen leidenden Menschen waren für sie Zeichen, um in der Gabe der Taufe unsere Aufgabe wahrnehmen zu können
In: Andacht zum Kirchenkreiskonvent – Erfurt 2009 Pastor Friedrich Schwenger, Gefängnisseelsorge Landeskrankenhaus Moringen
- Für Mutter Teresa war der Schmerz "das schönste Geschenk für den Menschen", weil er so, "am Leiden Christi teilnehmen kann." Der Ideologie Mutter Teresas folgend ging es nicht um "die Armen" selbst. Es ging um die Seelen der Armen, und diese sollten den Schmerz fühlen. Mit der Taufe und damit der Rettung der Seele war das Interesse Mutter Teresas am Menschen erledigt.
- Als wäre dies nicht schon genug, sind nun auch noch Vorwürfe aufgetaucht, dass der Orden in Kinderhandelsaktivitäten verstrickt sei. Wiederum der stern berichtet von einem Fall aus Indien, wo Nonnen einer Mutter ihr Kind wegnahmen und nach Deutschland vermittelten – ohne dass die Adoptiveltern ahnten, dass die leibliche Mutter des Kindes noch lebte und ihre Tochter nicht freiwillig weggegeben hatte. Vermittlungsstelle in der BRD ist der Verein pro infante, der wegen seiner Praktiken von einer Reihe von Adoptionsexperten heftig kritisiert wird. Die Motivation dürfte sowohl bei den Missionarinnen als auch bei ihren deutschen Helfern in erster Linie ideell sein: arme Heiden-Kinder zu guten Christen machen. Juristisch scheint dagegen übrigens (zumindest von der BRD aus) keine Möglichkeit zum Eingreifen zu bestehen. Zwar stellte ein Gericht im betreffenden Fall fest, “dass die Voraussetzungen für die Adoption … nicht ordnungsgemäß geschaffen waren”, da die Verfahrensfehler jedoch in Indien stattgefunden hätten, sei pro infante dafür nicht haftbar zu machen.
( ..)
Letztlich passt es auch genau ins Denken von Mutter Teresa. Denn ihre Kalkulation war einfach: alles für Gott. Da aber selbiger zeitlebens bei ihr nicht vorbeigekommen war, sammelte sie Geld und Seelen für seinen irdischen Statthalterverein, die katholische Kirche. Die Armen und Kranken in Kalkutta oder sonstwo waren für sie Objekte, mit denen sie sich Gottes wegen beschäftigte – und möglicherweise auch, weil sich damit am Ende des 20. Jahrhunderts besser Spenden eintreiben ließen als mit Appellen, dass die Erlösung zu den Un- oder Irrgläubigen gebracht werden müsse. Ein Interesse an den Menschen, an einer Veränderung ihrer sozialen Situation hatte die Friedensnobelpreisträgerin nicht. Denn eines wusste der Engel der Armen nur zu genau: nur wenn es weiterhin Arme, viele Arme gibt, würde sie auch weiterhin deren Engel sein.
- Katholizismus ist die Taufe zur Errettung unverzichtbar. Mutter Teresas Nonnen "taufen" die Patienten heimlich, indem sie ihnen ein feuchtes Tuch auf die fiebrigen Brauen legen und die magische Formel hauchen, die angeblich die Erbsünde austilgt und Eingang in das Reich Gottes verschafft.
Auszug aus dem Buch "Die okkulte Invasion" von Dave Hunt. © 1999 by Christliche Literatur-Verbreitung e.V.
Fundstelle in Betanien.de
Lesen Sie auch meinen Artikel: Weutilla und seine Chinesen – ein Kommentar der nicht altert
2 Responses to mutter-teresa-engel-der-armen. Eine Erwiderung
Barbara
August 12th, 2009 at 4:16 am
Mutter Teresa und ihre Ordensfrauen sagten selbst immer, dass sie keine Sozialarbeiter, kein Spital seien.
Ich finde, es ist tausendmal einfacher, über sie herzuziehen, als selbst dort so bescheiden zu leben und sich Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr um Jahr, ein ganzes Leben lang selbst um diese Menschen zu kümmern. Natürlich genügen die Zustände längst nicht unseren Standards, wie sie in Kliniken gefordert sind. Das ist mir auch klar.
Aber: Ist es nicht allemal besser, einen sterbenden, hungernden, einsamen Menschen von der Strasse zu holen, ihm ein Bett zu geben, auch wenn es nur eine einfachste Feldpritsche ist, ihm zu essen zu geben, auch wenn es kein 7-Sterne-Menu ist und ihm ein Minimum an Pflege zukommen zu lassen, statt ihn einfach in der Gosse liegen zu lassen????
DAS sollten mal alle bedenken, die einfach in Bausch und Bogen die Arbeit von Mutter Teresa verurteilen. Und ich möchte mal diese Kritiker sehen, wie sie auch nur einen einzigen Tag lang das leisten, was diese Ordensfrauen leisten. Aber eben: einfach mal niedermachen ist so einfach.
Ich kenne die vielen Kritikpunkte an ihrer Arbeit. Auch den Artikel in einem Magazin, wo darüber berichtet wurde, dass Schwestern aus ihrem Orden ein Kind der Mutter weggenommen hätten. Sowas wäre natürlich ganz grässlich und absolut nicht in Ordnung. Auch soll es, wie im einten Video oben zu sehen ist, körperliche Misshandlungen an einem Kind gegeben haben. Auch das ist unentschuldbar. Doch auch Schwestern machen Fehler. Und desswegen gleich die ganze Arbeit von ihr zu verurteilen wäre auch nicht gerecht. Das wäre etwa so, wie wenn ein Koch mal Gift ins Essen gemischt hätte und desswegen gleich sämtliche Restaurants geschlossen würden, oder ein Arzt kriminell wurde und desshalb gleich sämtliche Praxen verboten würden.
Trotz aller Kritik sehe ich in Mutter Teresa und vielen Schwestern von ihr und auch freiwilligen Helfern Menschen, die Grosses geleistet haben und bis heute noch leisten.
Wolfgang Brand
August 13th, 2009 at 9:53 am
Liebe Barbara
Dein Vergleich mit dem Koch der Gift ins Essen schuettet hinkt etwas. Natuerlich wuerde man deswegen nicht alle Restaurants schliesen: Aber seines schon!
Schwestern machen auch Fehler? Ja sicher. Aber wir sprechen hier doch nicht von einem Fehlerchen, so den klitzekleinen wo man rot wird wenn man erwischt wird.
Wir sprechen von einer kriminellen Handlung fuer die man mehrere Jahre ins Gefaengniss geht. Das kann man nicht mal eben mit “auch Schwestern machen Fehler” wegwischen.
Das ist eine aehnliche Argumentation wie manch Katholik die Kreuzzuege, die Inquisition oder das Segnen der Waffen im zweiten Weltkrieg zu entschuldigen versucht.
Das “nobody is perfect prinzip” angewendet auf Kaitalverbrechen, sorry, nicht mein Geschmack.
Die Motivation der Hilfe scheint hier die Taufe zu sein nicht die Menschenliebe. Schade dass die Christen sich so weit weg von dem was Ihr grosses Vorbild Jesus von Nazareth ihnen versuchte zu vermitteln.
Bei einem sterbenden Kind erst mal oder nur an die Taufe zu denken ist in meinem un-christlichen Empfinden einfach nur pervers.
Gruss
Wolfgang Brand