
Lisa-Mimmi und der Engel des Lichts
Freunde, Lisa-Mimmi Fans!
Lesen Sie hier eine neue Folge aus dem Leben der Lisa-Mimmi.
Wir haben uns den Frühstücksdienst gerecht geteilt. Nämlich, Lisa-Mimmi holt Brötchen. Jeden morgen. Ich, noch im Pampuschen, hole die Zeitung aus dem gleichnamigen Kasten, gleich neben der Wohnungstür. Auch jeden morgen. Bis auf Sonntag. Da gibt‘s keine nich. So macht jeder was und es bleibt nich alles an meiner Lisa-Mimmi hängen.
Ja, das stimmt. Die Zeitungsausträgerin wohnt nebenan. Muß Lisa-Mimmi die Zeitung nicht auch noch nach oben schleppen. Sie hat so schon immer reichlich zu tragen. Schau gleich auf die Schlagzeilen, während Lisa-Mimmi schon zurück kommt. Vom Treppensteigen ist sie noch ganz außer Atem. Ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Wir wohnen im 5. Stock. Ohne Aufzug.
Während sie noch, wie ein Karpfen auf dem Trockenen, nach Luft schnapp, brüht sie mir schnell den Kaffee. Ich liebe ihn polnisch. In Polen sagen sie türkisch drauf. Im Glas. Geht so. Pulver vom Bohnenkaffee, kochendes Wasser drüber, kurz warten, umrühren, fertig. Hab ich auf meiner Reise nach Olsztyn, was früher Allenstein war, von einem Polschen. Hab es Lisa-Mimmi beigebracht. Die ersten Tage? Naja. Kann sie jetzt aber ganz gut. Muß der Neid ihr lassen.
Ich bin noch nicht mit der Titelseite zu Ende, da stehen auch schon die anderen Zutaten auf dem Tisch. Besteck, Teller, Butter, Marmelade, Nutella und was sonst noch sein muß. Wir nehmen die Nutella von Aldi. Ich glaub die heißt da anders. Egal.
Jetzt schneid ich mir die fünf Brötchen auf. Eins nach dem anderen. Dann bestreiche ich die zehn Hälften mit guter Butter. Eine nach der anderen. Wenn fertig, kommt Marmelade oder so drauf und zwar ganz schön dick, daß es beim Reinbeißen runtertropft. Runtertropfen muß sein. Das liebe ich. Übrigens, die Brötchen mach ich alles selbst essfertig.
In der Zwischenzeit hat Lisa-Mimmi ihre Lockenwickler entfernt, die sie über Nacht mit Würde getragen hat. Da ist sie eigen. Neemals met meenen Lockenwecklern am Frühstückstesch, hat sie mal gerufen und dabei ist es auch geblieben. Find ich gut, aber zum Aldi geht sie mit diesen Dingern auf dem Kopf, verborgen unter einem grünen Kopftuch.
Bevor wir uns paaren, abends im Bett, dreht sie die Dinger auch immer raus, wenn noch welche drin sind. Est ja dunkel, sagt sie, aber Lockenweckler müssen dabei nech seen, sagt sie. Wee seeht das denn aus, wenn mal eener reenkommt.
Nicht das sie glauben, liebe Leser, wir würden auf Piepschau machen. So ist sie nun mal, meine Lisa-Mimmi.
Gesagt hat sie es ja nicht, aber ich vermute, das mit den Lockenwicklern hat was mit ihrem neuen Engel zu tun. Der, der jetzt auf ihrem Nachttisch in einem geschnitzten Holzrahmen steckt. Engel des Lechts, hat sie mir bedeutungsvoll zu verstehen gegeben, als sie ihn einrahmte. Die Lockenwickler soll der Engel wohl nicht sehen, vermute ich. Aber das, was wir dann machen und von dem der Pfarrer öffentlich von der Kanzel verkündet, daß das Schweinkram sei, da darf er zuschauen, der Engel. Obwohl, ich weiß nicht, ob er unter die Bettdecke gucken kann, der Engel des Lichts.
Also Frühstück.
Ich hab die 10 Brötchenhälften griffbereit in einer Reihe vor mir. So kann ich sie bequem erreichen, ohne die Zeitung zur Seite legen zu müssen. Rechter Hand, auch griffbereit, mein Kaffeeglas.
Das mach ich immer so. Schon seit Jahren. Kann blind alles ergreifen, ohne hinzusehen. Zwar gibt es manchmal wegen der Zeitung Widerspruch von Lisa-Mimmi, aber das höre ich gar nicht mehr. Fragt sie was, gibt es, wenn überhaupt, kurze Erwiderungslaute, meist unverständlicher Art.
Gestern Morgen jedoch, da war alles anders als sonst. Ich lese grad den Kommentar zum Fußballspiel Schalke gegen Dortmund, da kommt sie mit einem ihrer nackten Füße und fährt mir sanft ins Hosenbein.
Laß das, sage ich. Siehst Du nich, daß ich meine Zeitung lese?
Och Hellmeleenchen! Sie sagt immer, wenn sie was von mir will Hellmileinchen, statt Hellmut.
Och Hellmeleenchen, flötet sie, kannste nech de Zeetung henlegen? Nee, knirsche ich. Kann nich! Hab nich fertig.
Stille. Na gut, denke ich. Ist sie vielleicht in die Küche gegangen, abwaschen. Ist auch besser so.
Mit eins wird mir was heiß. Es knister, qualmt und riecht wie verbrannt. Ich denke, ich spinne. In der Mitte hat die Zeitung plötzlich ein Loch, das immer größer wird. Oh Cholera, denk ich, was ist das schon wieder? Nehm ich mein Kaffeglas und kann damit grad noch ein Stückchen der Sportseite retten. Der Artikel über Schalke gegen Dortmund? Asche.
Ich krieg mich nicht wieder. Schaue Lisa-Mimmi an, deren Zungenspitze ganz langsam über ihre Oberlippe fährt, deren rote Augen triumphierend blitzen. Schrei ich, hast Du sie noch alle? Willste mir anstecken oder was? Warte nur! Du Luder, du! Das zahle ich dir heim, du rote Teufelshexe.
Da schiebt sie ihr Kinn nach vorn. Nur so ein bißchen. Schaut mir in die Augen und sagt auf mich, Hellmeleenchen! wee geht Böse? Mach mal für deene Lesa-Memme Böse.
Erst hab ich noch geschaut wie damals, als man mir das Testament meiner Mutter vorlas und ich hören mußte, daß mein Pflichtanteil kaum mehr sei als Beerdigung, Grabpflege und so.
Doch mit eins, ich weiß auch nicht warum, brechen wir beide in schallendes Gelächter aus, fassen uns an die Hände, hüpfen wie Kindergartenkinder durchs Zimmer und Tanzen umeinander, wie ich weiß nicht wie. Außer Atem lassen wir uns aufs Sofa fallen und herzen und küssen uns.
Was wir da noch gemacht haben? Sag ich nicht. Sie müssen auch nicht alles wissen.
Später hat meine Lisa-Mimmi dann noch gesagt:
Seehste. See froh, daß es nur deene Zeetung war. Hoffentlech est der jetzt een Lecht aufgegangen. Der Engel des Lechts hätte der auch Feuer unterm Hentern machen können. Und was war vorhin auf dem Sofa, frage ich? Hat er da nicht auch bißchen was gezündelt?
Liebe Leser, wenn Sie es auch mal gezündelt haben wollen, dann verrate ich Ihnen, daß Lisa-Mimmi den Engel des Lichts, der von Gabriele Diana Bode gemalt wurde, beim Sichtweise-Verlag als Postkarte gekauft hat.