Februar 19, 2009 | In: Hans Blazejewski

Ich über mich

Ich mache ein Interview mit mir

Wer bin ich?

Ja, das möchte ich auch gern herausfinden. Oder wollen Sie es mir sagen?

Eigentlich müßte ich bei meiner Geburt beginnen, oder besser noch beim Zeugungsakt meiner Eltern. Lassen wir diesen Akt der Vergangenheit im wahrscheinlichen Dunkel und schauen uns im überschaubaren Diesseits um.
Statt nüchterner Fakten, lesen Sie lieber dieses von mir und mit mir geführte Interview.

??: Komm, laß uns ein Interview machen.
HB: Plauderview bitte.

??: Ja gut, aber du mußt plaudern!
HB: Kaufst du mir was ab?

??: Wer fragt hier eigentlich?
HB: Na du! Aber trotzdem kannst du mir was…

??: Warum willst du mir unbedingt was verkaufen?
HB: Weil, verkaufen ist geil, besonders seit ich entdeckt habe, daß es oberbefriedigender ist als onanieren..

??: Was!? Machst du das auch?
HB: Du nicht? Warst wohl nie katholisch? Oder ist dir das peinlich? Ich meine, so vor aller Öffentlichkeit.

??: Also bitte. Also bitte.
HB: Recht gern. Gehen wir zu mir, oder zu dir?

??: Kannst du nicht mal ernst sein und was über Deinen Verlag sagen?
HB: Nur Gutes. Ich z.B. habe meine eigene Sichtweise 1994 zum Verlag gemacht und produziere seit der Zeit Postkarten, Poster, Lesezeichen, Grußkarten und andere Sachen. In der Anfangszeit bestanden die Motive überwiegend aus Tier- und Landschaftfotos. Dazu noch ausgewählte Kalligraphien wie z.B. die vom Meister Qui Zhengping aus Shanghai.
Nach diesen Wellen hatten wir eine verrückte Zeit, in der schöner wohnen auf esoterisch angesagt war.

??: Feng Shui!
HB: Genau! So ein Stück bedrucktes Papier verkaufe ich dir und du gibst mir dafür ein Geld. Als genetisch programmierter Wiederholungstäter mach ich das wieder und wieder, und so kommt ein bei ein, wie es hier in  Norddeutschland heißt.

Einen Teil davon vergrabe ich in meiner Reichtumsecke in meinem Garten und mit dem größeren Rest bedrucke ich wieder schöne leere Seiten. So vermehre ich das Bruttosozialprodukt und fühle mich ameisenmäßig gut dabei.

??: Stop!
HB: Du wolltest daß ich plaudere.

??: Ja schon…
HB: Kaufst du mir was ab?

??: Geht das jetzt von vorn los?
HB: Nö! Nur wenn du jetzt nein sagst, dann fängt es an spannend zu werden. Denn verkaufen beginnt da, wo der andere Nein sagt, erzählen uns die USAler bücherweise. Alles andere sei  nur verteilen. Eigentlich solltest du mich jetzt fragen, wie ich an die Fotos komme.

??: Wie kommst du an die Fotos?
HB: Über Bildagenturen und Fotografen. Das meiste läuft über Internet. So hab ich Kontakt zu Profi-Fotografen, aber auch zu vielen Amateuren aus Polen, Japan USA um nur einige Länder zu nennen. Dann kommen noch die unangeforderten Angebote per Post von Menschen, die meinen Namen auf den Karten gelesen haben.

??: Ach, du schreibst deinen Namen auf die Karten?
HB: Ja gerne!. Willst du ein Autogramm? Also nicht zu Fuß. Das passiert natürlich gleich beim Druck der Auflage. Du, das ist far out, oder Wahnsinn, wie der Engländer sagt. Wenn die Produktion geliefert wird, schau ich erst mal auf die Rückseite ob ich da als Produzent vermerkt bin.

??: Was! Du liest jede einzelne Karte?
HB: Ja sicher. Denk an den Zen-Meister der immer seinen Namen rief und dann antwortete: „Ja Meister“!

??: Darf ich dich Wahn Sinn rufen?
HB: Na gut, aber nur einmal.

??: Wahn Sinn! (ziemlich laut)
HB: ????? Antworte ich jetzt mit „Ja Meister“!, dann ist es öffentlich und du hast möglicherweise ein oder mehrere Probleme an der Backe. Du mußt Satsang und so was machen. Lauter Unerleuchtete wollen sich an deinem Licht wärmen. Du mußt Interviews geben. Du mußt ein Buch schreiben mit dem Titel: „Hurra! Ich bin erleuchtet“, oder so. Wenn du dann auch noch überall verkündest, daß ich dich erkannt habe, bin ich auch dran.

??: Du sagst, in der Vergangenheit hast Du fast nur Fotokarten gemacht?
HB: Ja, das ist, weil ich selber gern Schwierigkeiten mache, aber ungern welche bekommen möchte. Meine Erfahrung ist: Fotografen sind eher Beobachter die sich wahrscheinlich in 100ertstel oder 1000senstel Sekunden verwirklichen. Eine Situation – Klick – Fertig. Jedes Bild ist beliebig oft reproduzierbar und der originäre Schöpfungsakt ist, wenn das Negativ entwickelt wird, längst Vergangenheit.

Die Pinselschwinger-Zunft z.B. – jeder Jeck ist anders sagen sie im Rheinland -  empfinde ich so: Identifikation mit dem Ergebnis weit über den Schöpfungsakt hinaus.

Jedes Bild ein Unikat, jedes Bild ein Kind, das man zwar hergibt, aber das Geld eher als Leihgebühr betrachtet.

Nehmen wir z.B. den Maler oder die Malerin die einen Frosch in den Nebel stellt. Das Bild heißt etwa: Frosch im Morgennebel. Mach ich daraus, weil ich es so besser verkaufen kann: „Frosch im transzendierten Teich auf der Suche nach dem Plop“, so bekomme ich Ärger. Wenn ich dann auch noch den dezent verpackten Hinweis höre, daß die Verleger sich auf Kosten der Künstler bereichern, dann könnte ich in mein Taschentuch beißen.

??: Vor lachen oder vor weinen?
HB: Sag ich nicht.

??: Ich finde deine Karten schön, die haben was, na so was ….(Schnippt mit den Fingern)
HB: Geht mir auch so. Es gibt einige Anbieter auf dem deutschen Markt, die ebenfalls in diesem Genre fischen. Da sehe ich einen Unterschied zu deren Bilderkarten, der nicht verifizierbar ist, den du aber spüren kannst. Vielleicht liegt es daran, daß ich all meine Entscheidungen für oder gegen ein Bild rein aus dem Bauch heraus treffe, daß ich, wo irgend möglich, voll ins Bild gehe. Dann hat wohl bißchen auch was mit meinem spirituellen Hintergrund zu tun.

Nehmen wir z.B. den blauen Wasserfall, den ich in der Feng Shui Zeit als Poster produziert hatte und der heute noch in vielen Centern und an vielen anderen Wänden hängt. Alle hatten sich die Haare gerauft als ich damit kam. Dieser Fall wurde dann DER Brüller.

Voll im Bild und voll aus dem Bauch.

Besonders als ich entdeckt, daß, wenn ich die Poster vorn mit einer matten Folie kaschiere, ein besonderer Effekt eintritt: Wenn Du dir jetzt diesen Wasserfall, den ich „Die Kraft von Oben“ genannt hatte aus, sagen wir 5 Meter Entfernung, anschaust, ist es, als würdest du durch ein Fenster auf eben diesen Fall schauen.

Keine Lichtreflektion, nichts was deinen Eindruck stören könnte. Außer, evtl. paar Fliegen. Man könnte ihn sich auch aufs Klo hängen und die Spülung dazu laufen lassen. Voll die Illusion wenn es rauscht und das Wasser abläuft. Aber wer hat schon ein 5 Meter langes Klo.

?? Einige Deiner Bilder hatten richtig witzige Namen, wie etwa die Gänseschar mit dem Titel:“ Pilgrims on the way“…
HB: ….oder der Pinguin an der Eis-Abbruch-Kante mit dem Titel: „Der Weg ist das Ziel. Und jetzt?“ Das mach ich gern, so passend zu den Bildern hintersinnige Titel zu setzen. Und die kann ich immer wieder lesen und auch noch nach Jahren darüber schmunzeln.

??: Und was machst du jetzt? Ich meine was läuft aktuell?
HB: Die ganze Zeit über will ich dir meine weißen Erleuchtungs-Socken verkaufen, aber du willst Sie nicht haben. Weltlich gesehen? Engel, Engel, Engel. Die Leute sind wie närrisch, als würde es demnächst Engel nur noch auf Bezugsscheine geben. Besuch meine Website und du wirst verstehen, warum alle meine Engel so himmlisch geil sind.  www.sichtweise-verlag.de

Ich hab einen Ideentopf in dem es ständig gärt. Von Zeit zu Zeit rühr ich um und laß es so lange gären, bis es darin ruft: „Hol mich raus“!
Dann geschieht schon mal, wie zum Haiku-Thema, daß mich jemand anspricht, der mir z.B. sagt: „Ach weißt Du, eigentlich möchte ich gern Haikus malen“. Das sind dann Momente die mich still machen und mir eine Ahnung geben, daß da Dinge auf einer höheren Ebene ablaufen, die nicht nur für Dumpfbacken unerklärlich sind.

??: Jetzt stell Du mir eine Frage.
HB: Der kleine Prinz sagt: „Bitte male mir ein Schaf“, und er ist erst zufrieden, als er eine gemalte Schachtel erhält mit der Antwort: „Da hast du dein Schaf“. Aber was hätte der notgelandete Flieger gemalt, wenn der kleine Prinz gesagt hätte: Bitte mal mir das Klatschen der einen Hand“ oder „Bitte mal mir den Moment, indem der Meister „HALT!“ ruft, der Schüler mit dem abgeschnittenen Finger, mit Schmerztränen in den Augen sich umdreht, und Zack! die Erleuchtung“.

??: Was ist deine Antwort auf dieses Koan?
HB: Auch mit 4 Fingern kann man fünf Bier bestellen.

??: Was ist deine Stärke:
HB: Ungeduld, da bin ich ganz, ganz stark drin.

? Und deine Schwäche?
HB: gibt es so was???

??: Vielen Dank für das Plauderview
HB: Hast DU was gehört?

??: Nee. Kaufst du mir das ab?
HB: Ja! Aber wenn ich dies noch sagen darf:
Interview ist wie Schach spielen. Zwei Akteure mit Spinneweben vor den Augen und im Hintergrund viel Volk, das versucht zu verstehen.

?? Vielen Dank.

Dieses Interview führte ??, das innere Kind von und  mit HB, Hans Blazejewski, der immer  gute Karten hat.

1 Response to Ich über mich

Avatar

Burcado Ajad

März 12th, 2009 at 9:58 am

MoinMoin ihr beiden Seelenverwandten,

schön liest sich das. So pfiffig und so wurzelig.

Bis bald
Burcado Ajad

Comment Form

  • Subscribe to RSS Feed
  • Engel-Onlineshop on Facebook